Lutz Träbert, Vorsitzender der Bundesligakommission
Im vergangenen Herbst wurde der langjährige BLK-Vorsitzende Thomas Kess aus Heidenheim auf der Vollversammlung der Bundes- und Regionalligavereine in Paderborn überraschend nicht wiedergewählt. An seine Stelle rückte mit dem Solinger Lutz Träbert ein Vertreter aus dem Baseball-Norden. Baseball-Bundesliga.de sprach mit dem Chef der Alligators:
Sie wurden in Paderborn als neuer Bundesliga-Chef inthronisiert. Überraschend, einkalkuliert oder gar geplant?
Träbert: Ich bin seit 2007 – mit einem Jahr Unterbrechung, nach der gescheiterten Bundesligareform – Ligasprecher der 1. Bundesliga Nord und ununterbrochen Ligasprecher der Regionalliga Nord-West. In den vergangenen Jahren wurde ich wiederholt gefragt, ob ich mir vorstellen könne, BLK-Vorsitzender zu werden. So auch im Vorfeld der letzten Bundesliga-Konferenz. Einige derjenigen, die mich im Vorfeld angesprochen haben, haben sich auch zum jeweiligen Ligasprecher wählen lassen. Insoweit kam es nicht überraschend, aber ich habe es auch nicht geplant.
Was macht der neue BLK-Vorsitzende und studierte Jurist anders als sein(e) Vorgänger? Wie unterscheidet sich der Solinger Präsident vom BLK-Vorsitzenden?
Träbert: Solinger Präsident und BLK-Vorsitzender sind zwei völlig unterschiedliche Jobs. Der BLK-Vorsitzende muss die Mehrheit der Vereine vertreten, unabhängig von seiner persönlichen Meinung. Als BLK Vorsitzender habe ich mich mehr um den Leistungssport zu kümmern, die Bundesligen und die Regionalliga. Als Präsident der Alligators leite ich den Verein, meine spezifischen Aufgaben umfassen intern die Koordination der Vorstandskollegen und die Leitung der Vorstandssitzungen, extern die Repräsentation des Vereins gegenüber Sponsoren, der Stadt und den Verbänden. Gemeinsam haben beide Jobs sicherlich, dass man jemand sein sollte, der Spaß daran hat, neue Ideen zu entwickeln.
Mein Ziel als BLK Vorsitzender ist es, noch stärker mit den anderen Ligasprechern und Vereinsvorständen zu kommunizieren. Ich melde mich vor oder nach den AfW Sitzungen, berichte über Entscheidungen oder frage die Meinung der Vereine über bevorstehende Anträge ab. Dazu versuche ich, regelmäßig mit den Ligasprechern oder Vereinsvorständen zu telefonieren, um zu sehen, was es neues gibt oder wo der Schuh drückt.
Vor zwei Jahren wurde eine von Ihnen als damaliger Ligasprecher initiierte Ligenreform mit Eingleisigkeit als Ziel auf der BLVV kassiert. Gibt es eine neue Agenda Träbert auf dem Weg zur Verschlankung des Ligensystems?
Träbert: Nein, die gibt es auf der „Agenda Träbert“ im Moment nicht, wobei ich die Idee von Intraleague Spielen immer noch sehr attraktiv finde. Aber es gibt natürlich auch andere Ideen, die Liga interessanter zu machen. Die in diesem Jahr eingeführte Playoff-Regelung für die Playdowns geht auf meinem Antrag, nachdem ich dies vor einigen Jahren in Holland beobachtet habe, als Andre Hughes dort spielte. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen nach der Saison.
Als Vereinsvertreter gingen Ihre Anträge auf der BLVV in Richtung einer Beschneidung der geltenden EU-Ausländerreglungen. Wie viele Deutsche hätte der BLK-Vorsitzende denn gerne pro Spiel auf dem Feld stehen?
Träbert: So viele wie möglich. Aber es ging mir nicht um eine bestimmte Zahl, sondern darum, dass bestimmte Schlüsselpositionen von deutschen Spielern besetzt werden, damit der Bundestrainer auf deutsche Spieler zurückgreifen kann, die auch in Playoff-Situationen oder im Finale um die Deutsche Meisterschaft auf diesen Positionen auf dem Platz gestanden haben. Es gibt hier zwei grundlegend verschiedene Ansichten: Die einen befürchten eine Verschlechterung des Niveaus der Bundesliga, weil man auf vermeintlich „schlechtere“ Deutsche zurückgreifen müsste, die anderen befürchten eine Verschlechterung des Niveaus der Nationalmannschaft, weil immer mehr Vereine auf der Pitcher/ Catcher/ Shortstop Position auf Euro-Amerikaner zurückgreifen werden. Ich gehöre der zweiten Fraktion an.
Bedingt durch die EM im September entfällt die Sommerpause für die erste Liga in 2012. Ein Weg für die Zukunft?
Träbert: Wir unterliegen hier dem Diktat des internationalen Spielplans. Glückerlicherweise ist unsere Nationalmannschaft im Moment so stark, dass sie sich für Europameisterschaften und Weltmeisterschaft qualifiziert. Zudem wird sie zu immer attraktiveren Turnieren eingeladen. Sollte es mal ein Jahr ohne irgendein Turnier geben, würde ich mich eine Liga von Anfang Mai bis Anfang Oktober wünschen, weil es die zuschauerfreundlichste Jahreszeit ist. Aber lieber sehe ich die Nationalmannschaft bei wichtigen Turnieren.
Die BLVV hat wieder einmal gezeigt, dass die Interessen der ersten BL mitunter nicht mit jenen der darunterliegenden DBV-Ligen übereinstimmen. Welches Herz schlägt in Ihnen?
Träbert: Ich glaube nicht, dass es da ein „wir“ gegen „die“ gibt. Es ist mehr eine Frage des Selbstverständnisses: Verstehe ich meine erste Mannschaft als Leistungssport-Mannschaft und bin ich bereit, den Verein diesem Leistungssport-Gedanken unterzuordnen, oder habe ich eher Breitensportambitionen. Wenn ich Leistungssportambitionen habe, muss ich den ganzen Verein so strukturieren: das fängt beim Vorstand an, geht über die erste Mannschaft, bis hin zur Jugendarbeit. Insoweit schlägt mein Herz für den Leistungssport. Versteh das nicht falsch: auch Breitensport ist wichtig und sinnvoll, und er muss seinen Platz im Verein haben, aber wenn ich eine Mannschaft in der ersten oder zweiten Bundesliga habe, sollte ich meinen Verein an dem Leistungssport-Gedanken ausgerichtet haben.
In Kürze hält das elektronische Scoring Einzug in die erste Bundesliga. Was wünscht sich der BLK-Vorsitzende noch an Verbesserungen?
Träbert:Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich von der Einführung des E-Scorings begeistert bin. Mehr als Fan, denn aus Scorer- oder Statistiksicht. Endlich wird es einen einheitlichen Liveticker aus allen Stadien geben, verlinkt über die Baseball-Bundesliga Seite, mit Twitter Meldungen nach jedem Halbinning. Die Vorstellung im Ausschuß für Wettkampfsort hat mich sehr beeindruckt. Schade, dass der ursprüngliche Anbieter so kurzfristig zurückgezogen hat. Aber ich finde, man hat eine gute Alternative gefunden.
Ansonsten wünsche ich mir ein konstruktives Gespräch mit allen Vereinen über die neuen Lizenzkriterien, die der AfW beschlossen hat. Dabei geht es mehr darum, den Vereinen einen Plan an die Hand zu geben, wie man den Platz verbessern kann, und sollte. Deswegen gibt es auch keinen Strafenkatalog, sondern die AfW Mitglieder werden als Evaluierungsbeauftragte die Vereine besuchen, sich den Platz anschauen und das Gespräch suchen, was gemacht werden sollte, was rechtlich und technisch geht und welche Prioritäten gesetzt werden sollten.








